Womit müssen die Bürger rechnen, die „nur“ eine gesetzliche Pflegeversicherung haben wenn sie pflegebedürftig werden?

Was decken die gesetzlichen Leistungen ab?

Wer in der gesetzlichen Krankenversicherung ist, muss automatisch auch in die gesetzliche Pflegeversicherung (GPV) einzahlen. Alle gesetzlichen Krankenkassen verfügt über eine solche Pflegekasse.

Der Beitragssatz dafür liegt in 2020 bei 3,05 Prozent und für über 23-jährige Versicherte ohne Kinder bei 3,30 Prozent des versicherungspflichtigen Einkommens.

Ausnahme:

Wer freiwillig gesetzlich krankenversichert ist, muss nicht in die GPV einzahlen. Auf Antrag ist aber der Abschuss einer privaten Pflege-Pflichtversicherung möglich.

Die Leistungen der gesetzlichen Pflegeversicherung sind gesetzlich festgeschrieben und gelten als Grundabsicherung.

Die Pflegeversicherung leistet auf Antrag, wenn der Versicherte länger als ein halbes Jahr lang auf Hilfe und Pflege im Alltag angewiesen ist unabhängig davon wie alt jemand ist. Wenn ein Versicherter bei seiner Krankenkasse einen Leistungsantrag stellt, wird dieser zur Pflegekasse weitergeleitet. Ein Gutachter prüft dann den Hilfsbedarf und legt einen von fünf Pflegegraden fest.

Pflegesachleistungen und Pflegegeld der gesetzlichen Pflegeversicherung

Die Pflegeversicherung erstattet entweder die Kosten für die stationäre Pflege im Pflegeheim oder für einen ambulanten Pflegedienst. Sie leistet auch Pflegesachleistungen, deren Höhe vom Pflegegrad abhängt und die direkt an den Pflegedienst gezahlt werden. Übernehmen hingegen Verwandte oder Vertraute die Pflege des Versicherten zu Hause, bezahlt denen die Kasse ein Pflegegeld bis zu 901 Euro im Monat

Pflegegeld und Pflegesachleistungen sind miteinander kombinierbar. Wenn also zum Beispiel nur 40 Prozent der Pflegesachleistungen des ambulanten Pflegedienstes in Anspruch genommen werden, weil der Rest des Pflegeumfangs in häuslicher Pflege erfolgt, erhält der Pflegebedürftige noch 60 Prozent Pflegegeld. Sämtliche Kosten, die die gesetzlich festgelegten Beträge übersteigen, müssen Versicherte selbst bezahlen.

Leistungen der gesetzlichen Pflegeversicherung bei häuslicher Pflege in Euro

Es gibt auch eine Pflegeberatung die man in Anspruch nehmen kann über den man die Pflegekasse innerhalb von 14 Tagen nach der Antragsstellung informieren muss. Sie informieren über passende Unterstützungsangebote und können Betroffenen dabei helfen, die Pflege zu organisieren.

Weitere Leistungen:

Für Maßnahmen, die das Wohnumfeld optimieren, zahlt die Pflegekasse jeweils bis zu 4.000 Euro. Zum Beispiel für eine Rollstuhlrampe vor dem Haus oder den Badezimmerumbau inklusive einer barrierefreien Dusche. Dazu muss allerdings vorab ein Kostenvoranschlag eingereicht werden. Hilfsmittel , die die häusliche Pflege erleichtern oder Beschwerden lindern, wie ein Pflegebett oder eine Rückenstütze, aber auch Einmalhandschuhe und Desinfektionsmittel, können ebenfalls bei der Pflegekasse beantragt werden.

Entlastungs- und Betreuungsbeträge für Pflegebedürftige

Wer zu Hause gepflegt wird, kann zudem einen Entlastungsbetrag von 125 Euro im Monat erhalten, etwa für eine Haushaltshilfe oder eine Alltagsbegleitung durch geschulte Helfer.

Dies kann über Wohlfahrtsverbände oder Sozialstationen organisiert werden. Welche Dienstleistungen konkret abgedeckt sind, regelt jedes Bundesland individuell. Ab Pflegegrad 2 können Pflegebedürftige ihren Entlastungsbetrag auch für die Kurzzeit-, Tages- oder Nachtpflege einsetzen. Die Erstattung erfolgt jeweils in Nachgang gegen Einreichung der Quittungen.

Wer hingegen in einem Heim gepflegt wird, erhält höhere monatliche Sätze (siehe Tabelle) bis zu 2.005 Euro in Pflegegrad 5. Wie bei der häuslichen Pflege gibt es auch für Pflegebedürftige im Heim einen Entlastungsbetrag in Höhe von 125 Euro, der hier Betreuungsbetrag genannt wird. Davon lassen sich zum Beispiel eine stundenweise Einzelbegleitung oder die Teilnahme an Gruppenbeschäftigungen finanzieren.

Trotz Pflegestärkungsgesetz: Private Vorsorge bleibt wichtig

Die Deutschen leben immer länger. Männer werden laut Statistischem Bundesamt heute im Schnitt 78 und Frauen 83 Jahre alt. Diese erfreuliche Entwicklung bedeutet aber auch, dass mehr Ältere pflegebedürftig werden. Derzeit sind es 2,7 Millionen Menschen. Fast jede vierte Familie hat einen Angehörigen, der zum Pflegefall geworden ist, also Betreuung und Fürsorge braucht. Vor 20 Jahren ist die Pflegeversicherung eingeführt worden. Mit dem Pflegestärkungsgesetz II hat der Gesetzgeber diese Säule der sozialen Sicherung ab dem kommenden Jahr 2021 weiter ausgebaut. Ab 1. Januar 2017 gibt es statt drei Pflegestufen nun fünf so genannte Pflegegrade, nach denen ein Pflegefall medizinisch eingeteilt wird. Weiter gilt der Grundsatz, dass die Leistungen der Pflegeversicherung mit der Bedürftigkeit, also mit dem Pflegegrad, steigen.

500.000 Menschen bekommen mehr Geld von der Pflegekasse

Bisher fielen vor allem psychisch z. B. Demenzkranke bedingte Pflegefälle durch das Raster der Pflegeversicherungen. Künftig haben auch psychisch Kranke im Pflegefall Anspruch auf Geld. Nach Angabe des Gesundheitsministeriums profitieren mittelfristig etwa 500.000 Menschen vom neuen Pflegestärkungsgesetz. Wer einen Angehörigen zu Hause pflegt, kann seit dem 1. Januar 2017 sechs statt bisher nur vier Wochen lang eine Auszeit nehmen und auch einmal Urlaub machen. Die Pflegeversicherung bezahlt dann eine Pflegekraft, die sich in dieser Zeit um den pflegebedürftigen Menschen kümmert.

Private Pflegevorsorge ist wichtig

Berufstätige, die zu Hause bei einem Pflegefall einspringen und helfen müssen, bekommen ihren Lohnausfall ebenfalls ersetzt (Pflegeunterstützungsgeld). Und zwar für zehn ausgefallene Arbeitstage. Das Wichtigste zu den Neuerungen bei der Pflege hat das Bundesgesundheitsministerium in einem Online-Ratgeber Pflege zusammengestellt. Trotz der Änderungen ist eine private Pflegevorsorge äußerst wichtig. Denn die staatlichen Grundleistungen reichen nicht aus, um die Pflegekosten, die tatsächlich etwa doppelt so hoch sind, abzudecken.

So sollte die private Pflegevorsorge aufgebaut sein – in drei Schichten:

Quelle: KVpro.de

Tatsächlich notwendige Ausgaben liegen aber fast immer deutlich höher und müssen von den Betroffenen selbst aufgebracht werden.

Was da auf pflegebedürftige Menschen, gegebenenfalls auch auf ihre Kinder und Enkel zukommen kann ist enorm:

2018 hatten Heimbewohner demnach Kosten von durchschnittlich 1.830 Euro im Monat selbst zu tragen. Dieser Betrag dürfte wegen der demografischen Entwicklung in Zukunft noch steigen.

3 Modelle der Pflegezusatzversicherung:

Immer mehr Menschen denken deshalb über eine Pflegezusatzversicherung als private Vorsorge nach. Dabei stehen im Prinzip drei unterschiedliche Modelle zur Auswahl:

· die Pflegetagegeldversicherung

· die Pflegekostenversicherung

· die Pflegerentenversicherung

Pflegetagegeldversicherung

Die populärste Variante ist die Pflegetagegeldversicherung. Sobald eine Pflegebedürftigkeit festgestellt wird, erhält der oder die Versicherte pro Tag eine vertraglich vereinbarte Summe. Die Höhe dieses Pflegetagegelds ist je nach Pflegegrad gestaffelt. Der Pflegegrad wird vom Medizinischen

Dienst der Krankenkassen festgestellt und reicht von Pflegegrad 1 bis zum höchsten Pflegegrad 5.

Wofür das Tagegeld eingesetzt wird, entscheidet der Versicherte selbst – sei es für einen ambulanten Pflegedienst, für einen Teil der Heimkosten oder für eine Haushaltshilfe, um nur einige Beispiele zu nennen. Welche Kosten tatsächlich entstehen, spielt dabei keine Rolle. Das Tagegeld wird in jedem Fall in der vereinbarten Höhe ausgezahlt. Es müssen auch keine Rechnungen bei der Versicherung eingereicht werden. Und: Beim Pflegetagegeld haben Versicherte unter Umständen Anspruch auf staatliche Zuschüsse („Pflege-Bahr“).

Pflegekostenversicherung

Bei der Pflegekostenversicherung springt die Versicherung für jene Leistungen ein, die durch die gesetzliche Versicherung nicht abgedeckt sind. Die Kosten müssen allerdings nachgewiesen werden, das Geld kann also nicht nach eigenem Ermessen ausgegeben werden. Ein Vorteil dieses Modells der Pflegezusatzversicherung besteht darin, dass die Tarife meist günstiger sind als Pflegetagegeldtarife.

Es eignet sich beispielsweise für Menschen, die einen professionellen ambulanten Pflegedienst nutzen oder einen Heimplatz finanzieren möchten. Bei einer zweiten Variante der Pflegekostenversicherung werden die Leistungen der gesetzlichen Versicherung pauschal verdoppelt. Hier müssen dann keine Belege eingereicht werden.

Pflegerentenversicherung

Eine monatliche Rente erhalten Pflegebedürftige, die eine Pflegerentenversicherung abgeschlossen haben. Je nach Pflegestufe wird ein bestimmter Prozentsatz der vereinbarten Rentensumme ausgezahlt. Auch hier können

Versicherte wieder frei über das Geld verfügen. Ob sie zu Hause oder in einem Heim gepflegt werden, ist dabei unerheblich.

Pflegezusatzversicherung:

Ähnlich wie die private Krankenversicherung dient eine Pflegezusatzversicherung der optimalen, persönlichen Absicherung. Die Beitragshöhe hängt nicht vom Einkommen, wohl aber – unter anderem – vom Alter, vom allgemeinen Gesundheitszustand und von Vorerkrankungen ab. Auch sollten Kunden bedenken, dass Beitragsanpassungen auf sie zukommen könnten. Dennoch gilt wie etwa auch bei der Rentenversicherung: Die durch die demografische Entwicklung entstehende Versorgungslücke lässt sich nur durch private Vorsorge schließen.