Direktversicherung bzw. Gehaltsumwandlung auch Entgeltumwandlung genannt

Bei der betrieblichen Altersversorgung (bAV) baut der Arbeitgeber für seine Arbeitnehmer eine zusätzliche lebenslange Rentenzahlung auf. Die Leistungen können auch der Invaliditäts- und Hinterbliebenenversorgung dienen. Der Staat unterstützt diese Vorsorge durch eine steuerliche und sozialversicherungsrechtliche Förderung. Die Argumente für eine betriebliche Altersversorgung liegen auf der Hand. Das gesetzliche Rentenniveau wird in den kommenden Jahren weiter absinken. Folglich wächst die Notwendigkeit der zusätzlichen Absicherung, um den Lebensstandard im Alter halten zu können.

 

Jeder Arbeitnehmer hat Anspruch auf eine Betriebsrente?

Die gesetzliche Grundlage der betrieblichen Altersversorgung regelt das Betriebsrentengesetz. Seit 2002 hat jeder Arbeitnehmer einen gesetzlichen Anspruch auf die sogenannte Entgeltumwandlung. Dabei können monatlich aktuell bis zu 4% der Beitragsbemessungsgrenze für die Rentenversicherung sozialversicherungs- und steuerfrei und noch einmal 150€ im Monat steuerfrei vom Bruttogehalt direkt in Beiträge zur betrieblichen Altersversorgung umgewandelt werden. Ab 2018 entfällt die Möglichkeit der 150€ zu Gunsten einer prozentualen Regelung. Dann können zu den ersten 4% noch einmal zusätzlich 4% nur steuerfrei umgewandelt werden. Der Arbeitgeber besitzt dabei das Recht, einen Durchführungsweg festzulegen.

Wie funktioniert die Entgeltumwandlung?

Bei der Entgeltumwandlung entrichtet der Arbeitgeber die Vorsorgebeiträge für seinen Angestellten direkt aus dessen unversteuertem Bruttogehalt. Dadurch mindert sich das zu versteuernde Einkommen, wodurch auch die Lohnsteuer- und Sozialversicherungsbeiträge sinken. Dieser Effekt beschert dem Arbeitnehmer einen deutlichen Zuschuß auf seinen Sparvertrag für das Alter. (siehe Beispielrechnung).Zu bedenken ist dabei das ein Teil dieser Sozialversicherungs- und Steuerbelastungen auch dann anfallen wenn keine Entgeltumwandlung beantragt wird. Quasi zahlt man immer – es ist nur die Frage ob man etwas von seinem Geld wieder zurückbekommt.

 

Fallen später auf die Betriebsrente Steuern und Sozialversicherungsbeiträge an?

Ja. Die Betriebsrenten sind seit 2004 mit dem vollen Beitragssatz der Rentner in der Kranken- und Pflegeversicherung beitragspflichtig und auch in voller Höhe zu versteuern. Allerdings gelten auch dafür die Freibeträge der Rentner und vor allem ist durch das geringere Einkommen im Rentenalter der Steuersatz geringer. Beiträge zur Renten- und Arbeitslosenversicherung fall gar nicht mehr an. Was besagt das? Man erhält in der Ansparphase wesentlich mehr Geld dazu als man dann später im Alter bezahlen muß. Die Rechnung geht immer zu Gunsten des Sparers auf.

 

Was passiert mit den bAV-Ansprüchen bei einem Arbeitgeberwechsel?

Die Übertragung bestehender Ansprüche ist gesetzlich geregelt. Demnach gilt die sogenannte „einvernehmliche Übertragung“. Der neue Arbeitgeber übernimmt dabei die Zusage des alten Arbeitgebers oder integriert den Übertragungswert in das eigene betriebliche Versorgungssystem (Portabilität). bAV-Ansprüche erlöschen also nicht bei einem Arbeitgeberwechsel. Art und Umfang der Übertragung hängen allerdings vom alten und neuen Durchführungsweg ab.

 

Arbeitskraft als Vorsorgebasis über die bAV

Kann man bei einer Berufsunfähigkeitsrente auch die bAV Förderung in Anspruch nehmen?

Ja. Das ist sogar sehr empfehlenswert weil die Ersparnis auf den Beitrag den man sonst aus dem versteuerten Nettogehalt alleine zahlt erheblich ist. Man sollte nur darauf achten das man einen bAV Sparvertrag und eine bAV Berufsunfähigkeitsrente immer getrennt hält. Man hat also dann zwei bAV Verträge. Das geht.

Warum ist eine Berufsunfähigkeitsrente so wichtig und was zahlt die gesetzliche Rentenversicherung bei Berufsunfähigkeit?

Nichts, zumindest all jenen, die nach dem 1. Januar 1961 geboren wurden. Wer aus gesundheitlichen Gründen gar nicht mehr oder nicht mehr voll arbeitsfähig ist, bekommt von der gesetzlichen Rentenversicherung nur eine Erwerbsminderungsrente, aber keine Berufsunfähigkeitsrente. Auf die Fähigkeit zur Ausübung des bisherigen Berufs kommt es nicht an, sondern allein auf die Fähigkeit zu einer Erwerbstätigkeit überhaupt. Deshalb prüft der Ärztliche Dienst der Deutschen Rentenversicherung zuerst, ob die Erwerbsfähigkeit durch medizinische Rehabilitationsmaßnahmen wiederhergestellt werden oder eine Umschulung vorgenommen werden kann, damit Betroffene ihren Lebensunterhalt selbst verdienen können.

Ist das nicht möglich, prüft die gesetzliche Rentenversicherung, in welchem Umfang der Betroffene überhaupt noch irgendeine Arbeit aufnehmen kann. Danach richtet es sich, ob eine Rente wegen voller Erwerbsminderung oder wegen teilweiser Erwerbsminderung gezahlt wird.

 

  • Volle Erwerbsminderungsrente: Die volle Rente gibt es, wenn der Betroffene täglich nur noch weniger als drei Stunden arbeiten kann.
  • Halbe Erwerbsminderungsrente: Wer in der Lage ist, täglich drei bis sechs Stunden zu arbeiten, bekommt die halbe Erwerbsminderungsrente.
  • Keine Erwerbsminderungsrente: Wer mehr als sechs Stunden arbeitsfähig ist, bekommt keine Erwerbsminderungsrente. Ausnahme: Personen, die vor dem 2. Januar 1961 geboren wurden und in ihrem erlernten oder einem gleichwertigen Beruf nur noch weniger als sechs Stunden arbeiten können, bekommen die halbe Erwerbsminderungsrente.

 

Wer bekommt eine Erwerbsminderungsrente?

Die Erwerbsminderungsrente wird für Versicherte gezahlt, die die Regelaltersgrenze noch nicht erreicht haben und wegen Krankheit oder Behinderung nicht mehr mindestens sechs Stunden täglich arbeiten können. Maßgeblich dafür ist nicht die zuvor ausgeübte berufliche Tätigkeit, sondern jegliche Tätigkeit. Vor der Zahlung einer Erwerbsminderungsrente muss eine Vorversicherungszeit in der gesetzlichen Rentenversicherung von mindestens fünf Jahren liegen. In den letzten fünf Jahren vor Eintritt der Erwerbsminderung müssen Versicherte drei Jahre Pflichtbeiträge gezahlt haben. Gerade Berufsanfänger haben deshalb in den ersten fünf Jahren überhaupt keinen Schutz gegen das Risiko der Erwerbsunfähigkeit. Deshalb ist für sie der Abschluss einer privaten Berufs- oder Erwerbsunfähigkeitsversicherung besonders sinnvoll.

Ist es sinnvoll, sich privat gegen das Invaliditätsrisiko zu versichern?

Ja aus unserer Sicht ist das unverzichtbar und der wichtigste Versicherungsschutz überhaupt. Wie soll es im Leben weiter gehen wenn man kein Geld mehr verdienen kann? Dann enden alle Lebenspläne und Lebensträume. Die Erwerbsminderungsrente von der gesetzlichen Rentenversicherung ist nur ein unzureichender Ersatz für das bisherige Einkommen, wenn Menschen wegen Krankheit oder durch einen Unfall ihren Beruf nicht mehr oder nicht mehr in vollem Umfang ausüben können.

 

Wie hoch ist das Invaliditätsrisiko?

Vor allem junge Menschen glauben, dass sie nicht von Berufs- oder Erwerbsunfähigkeit betroffen sein werden und dass eine Versicherung deshalb etwas für spätere Zeiten ist. Doch die Statistik spricht eine andere Sprache. Für einen 20-jährigen Mann beträgt die Wahrscheinlichkeit, bis zur Rente mit 65 Jahren berufsunfähig zu werden, im Durchschnitt 43 Prozent. Laut Rentenversicherung wird jeder dritte Angestellte und jeder fünfte Arbeiter im Laufe seines Arbeitslebens berufsunfähig. Junge Menschen können diesen Versicherungsschutz besonders preiswert erhalten und sind in den ersten 5 Jahren der Berufstätigkeit vom Staat nicht abgesichert. Das wissen die meisten Berufsanfänger gar nicht.

 

Wie hoch ist die gesetzliche Erwerbsminderungsrente?

Eine volle Erwerbsminderungsrente ergibt sich aus den bisher erworbenen persönlichen Entgeltpunkten, dem aktuelle Rentenwert und dem Rentenfaktor, der bei Erwerbsminderung generell 1,0 beträgt.

Beispiel: Volle Erwerbsminderungsrenten bei durchschnittlichem Verdienst (1,0 Entgeltpunkte)

Die Angaben in der Tabelle beziehen sich auf einen Durchschnittsverdiener mit einem Jahreseinkommen von 36.267 Euro brutto (2016). Die Werte zeigen, dass die volle Erwerbsminderungsrente nur rund 30 Prozent des vorherigen Bruttolohns erreicht. Deshalb ist eine private Vorsorge für den Verlust der Arbeitskraft notwendig.

 

Was passiert jungen Menschen bei Erwerbsminderung?

Wer schon in jungen Jahren erwerbsgemindert ist, kann bei der Rente nur auf wenige Berufsjahre aufbauen. Zum Ausgleich dafür gibt es die Zurechnungszeiten. Für die Zeit zwischen dem Eintritt der Erwerbsminderung und dem vollendeten 62. Lebensjahr werden die bisherigen Versicherungszeiten mit einem Durchschnittswert bewertet. Dadurch fällt die Rente höher aus. Ab 2018 soll die Zurechnungszeit bis 2024 schrittweise von 62 auf 65 Jahre erhöht werden. Dadurch erhalten neue Erwerbsminderungsrentner mehr Rente.

 

Wie lange wird die Erwerbsminderungsrente gezahlt?

Die Erwerbsminderungsrenten können von der gesetzlichen Rentenversicherung befristet oder unbefristet gezahlt werden. Unbefristet sind die Renten in der Regel nur dann, wenn es unwahrscheinlich ist, dass die Erwerbsminderung behoben werden kann und wenn die Erwerbstätigkeit weniger als drei Stunden täglich möglich ist. Endet eine befristete Rente und der Gesundheitszustand hat sich nicht gebessert, muss sie neu beantragt werden.

 

Dürfen Erwerbsminderungsrentner hinzuverdienen?

Das ist möglich, jedoch nur innerhalb bestimmter Grenzen. Diese Hinzuverdienstgrenzen werden individuell ermittelt. Dabei spielt das zuletzt erzielte Einkommen eine Rolle ebenso die Höhe des Hinzuverdienstes. Übersteigt die Erwerbsminderungsrente die Hinzuverdienstgrenzen, wird sie gekürzt oder entfällt.

 

Ist eine Berufs- oder Erwerbsunfähigkeitsrente zu versteuern?

Ja – der Staat möchte davon Steuern bekommen. Allerdings werden solche befristeten oder auch lebenslange Renten nach einem besonderen Steuerverfahren berechnet das wesentlich günstiger ist als eine normale Einkommenssteuer.